Warum ein scheinbar perfektes Leben nicht reicht
- Sonja Haar

- 21. Sept. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Warum ich diesen Blog schreibe – und warum du hier richtig bist
Du hast alles. Denkst, dein Leben ist glücklich und erfüllt. Familie, Haus, Arbeit. Alles prima.So ging es mir auch. Von außen betrachtet war mein Leben rund. Ich hatte meinen Platz gefunden, dachte ich zumindest.
Ich arbeitete im kaufmännischen Bereich, später in einer großen Projektabteilung, europaweit unterwegs. Zahlen, Strukturen, Projekte - das war mein Alltag. Ich war viel unterwegs, organisiert, leistungsorientiert. Es war spannend, es war sicher, es war das, was man eben so macht.
Und doch war da immer ein leiser Teil in mir, der fragte: War das schon alles?
Die Arbeit mit Menschen in dieser Tiefe, wie ich sie heute tue, hätte ich mir damals nie zugetraut. Ich war überzeugt: Das können andere. Ich bin die, die organisiert, die plant, die Strukturen baut. Nicht die, die Herzen berührt. Und doch, wenn ich heute zurückblicke, sehe ich, dass es immer die Begegnungen waren, die mich geprägt haben. Die Gespräche in der Kaffeepause. Die stillen Momente nach einem Workshop. Das Vertrauen, das Menschen mir schenkten, wenn sie sich öffneten.
Dort, im Zwischenmenschlichen, lag schon damals das, was mich wirklich berührte. Ich ahnte es, aber ich wagte nicht, es ernst zu nehmen.
Dann kam mein Sohn zur Welt. Und plötzlich war nichts mehr, wie es war.
Ich erinnere mich an diesen Moment, als ich ihn das erste Mal im Arm hielt. So klein, so verletzlich – und gleichzeitig mit einer Kraft, die mein ganzes Leben veränderte. In diesem Augenblick spürte ich eine Verantwortung, wie ich sie noch nie gespürt hatte. Es ging nicht mehr nur um mich. Und mit diesem Gefühl kam eine Erkenntnis: Ich würde meinem Sohn all das weitergeben, was in mir wirkt. Auch das, was sich für mich nie richtig angefühlt hatte. Alte Überzeugungen, alte Muster, alte Ängste.
Ich wusste: So will ich das nicht. Ich wollte nicht nur Werte predigen, ich wollte sie leben. Echt. Frei. Aus vollem Herzen.
Das war der Beginn meiner Reise.
Ich ging ins Coaching, zuerst als Klientin. Ich wollte verstehen, was mich geprägt hatte. Warum ich in manchen Situationen feststeckte, warum ich immer wieder dieselben Muster lebte. Ich lernte, hinzuschauen, zu fühlen, loszulassen. Und Stück für Stück kam ich mir selbst näher. Es war kein leichter Weg. Es war ein Weg voller Fragen, Zweifel, Tränen. Aber es war ein Weg, der mich veränderte.
Aus dieser Suche wurde irgendwann mehr. Ich spürte: Das, was mir selbst half, möchte ich auch anderen weitergeben. Also machte ich eine Ausbildung. Ich lernte, wie man Menschen begleitet, wie man Räume hält, wie man das Unsichtbare sichtbar macht. Schließlich eröffnete ich meine eigene Praxis. Ein Schritt, der für die Frau, die ich einmal war, unvorstellbar gewesen wäre. Und doch fühlte er sich so stimmig an, als hätte ich genau darauf hingearbeitet, ohne es zu wissen.
2019 kam ein weiterer Einschnitt, brutaler und unerwarteter als alles zuvor. Der Vater meines Sohnes starb plötzlich beim Laufen. Einfach so. Ein gesunder, sportlicher Mann - und von einer Sekunde auf die andere war er nicht mehr da.
Ich weiß noch, wie der Boden unter meinen Füßen weggezogen wurde. Alles, was eben noch selbstverständlich schien, war verschwunden. Sicherheit, Halt, das Gefühl, dass es jemanden gibt, der mitträgt. Stattdessen Leere. Schock. Stille. Und eine Botschaft, die ich meinem Sohn überbringen musste.
Und doch: Mitten in diesem Schmerz war da auch etwas anderes. Eine Kraft, die ich schon einmal gespürt hatte - bei der Geburt meines Sohnes. Eine Einladung, noch klarer, noch ehrlicher, noch mehr ich selbst zu werden. Beide Erfahrungen, Geburt und Tod, haben mich gelehrt: Das Leben fragt nicht, ob wir bereit sind. Es zwingt uns, hinzuschauen.
Ich habe in dieser Zeit gelernt, Entscheidungen allein zu treffen. Für meinen Sohn. Für mich. Ich habe gelernt, dass wir uns nicht auf die Sicherheit im Außen verlassen können. Dass das Einzige, was uns wirklich trägt, unser Inneres ist.
Und genau daraus ist meine heutige Arbeit entstanden.
Heute ist meine Superpower: Ich sehe, was im Verborgenen wirkt. Ich erkenne Muster, wo andere nur Chaos spüren. Ich helfe, das Unsichtbare sichtbar zu machen, damit Menschen verstehen, warum sie feststecken, und den Mut finden, ihren eigenen Weg neu auszurichten.
Ich begleite Unternehmer, Freiberufler und Menschen des öffentlichen Lebens - Menschen, die im Außen stark wirken, aber innerlich oft nach Klarheit und Halt suchen. Ich weiß, wie es ist, wenn alles nach Plan aussieht und sich doch falsch anfühlt. Ich weiß, wie es ist, wenn das Leben dich zwingt, alles loszulassen. Und ich weiß, dass beides, Geburt und Tod, Anfang und Ende, eine Einladung sein können, neu zu wählen.
Darum schreibe ich diesen Blog. Nicht, weil ich perfekte Antworten habe. Sondern weil ich glaube, dass wir alle Geschichten brauchen, die uns erinnern: Wir müssen nicht erst warten, bis das Leben uns zwingt. Wir dürfen schon vorher beginnen. Mit einem Gedanken. Mit einer Frage. Mit einem Schritt.
Wo in deinem Leben sagst du vielleicht „alles prima“ - und spürst doch, dass es nicht deine Wahrheit ist?
Ich freue mich, wenn wir in Kontakt kommen. mail@sonjahaar.com






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